09 Okt

Samenfeste Gemüsesorten – auf den Spuren von Daucus carota und Beta vulgaris

Da liegen sie vor uns auf zwei langen Tischen: Möhren und Rüben in verschiedensten Formen und Farben, geputzte pralle Körper, das Laub noch schön gekämmt, schließlich stehen sie an diesem Vormittag im Pieschener Gemeinschaftsgarten „Wurzelwerk“ im Mittelpunkt des Geschehens. Im Rahmen des 11. Umundu-Festivals für nachhaltige Entwicklung hatte der Garten zu einem zweistündigen Workshop zum Thema „neue und alte samenfeste Gemüsesorten“ eingeladen. Trotz Dauerregens und ungemütlicher Temperaturen drängen sich schnell 12 neugierige TeilnehmerInnen um den „Laufsteg der Knollen“. Lisa Ennen, Gärtnerin der solidarischen Landwirtschaft „deinHof“ in Radebeul, nimmt uns mit auf eine Reise, auf der wir lernen, dass Möhre nicht gleich Möhre ist und welche Schätze es unter den alten Gemüsesorten zu entdecken gibt.

Als Einstieg üben wir uns im Beschreiben der Verschiedenheiten der vor uns liegenden Möhrensorten: Da gibt es die Exemplare mit üppigem, langem Krautwuchs, während andere eher eine lichte Kurzhaarfrisur bevorzugen. Neben der klassischen orangroten Möhre, sind auch weiße und gelbe Exemplare vertreten. Wer glaubte, dass die Möhrenwurzel halt einfach „lang und gerade“ ist, wurde eines besseren belehrt: es gibt kegelförmige, zylindrische und kugelige Möhren. Manche haben eine markant ausgeprägte breite Schulter, andere verzichten auf diese Äußerlichkeit. Einige haben eine glatte, gut schälbare Oberfläche, andere stehen zu ihren Falten, Furchen und wild wachsenden Wurzelhaaren. Aber immerhin sind alle Exemplare hier auf dem Tisch ganz klar als Möhre,bzw. für die Botaniker unter uns als Daucus carota erkennbar. Ganz anderes sieht es da auf dem Nachbartisch aus: die rote Bete erkennen wir alle, aber was sind diese gelben und weißen Knolle daneben? Und wieso liegen da die Mangoldpflanzen so vertraut kuschelnd neben der roten Bete? „Alles eine Pflanzenart“, erklärt Lisa Ennen den staunenden Teilnehmern, „alles Beta vulgaris („Rübe“), nur eben verschiedene Sorten.“

In einem kompakten Theorieteil erfahren wir von Lisa mehr zur Geschichte der Gemüsesorten und der Pflanzenzüchtung. Durch Selektion und Kreuzung wurde eine unglaubliche Vielfalt an Sorten geschaffen, lange bevor chemische Verfahren und Gentechnik in die Pflanzenzüchtung einzogen. Eine wissenschaftliche Literatur- und Datenbankrecherche belegt für Deutschland im Zeitraum von 1836 bis 1956 die Existenz von 6998 Gemüsesorten bei 104 Gemüsearten, das heißt im Durchschnitt 67 (!) Sorten pro Art (https://pgrdeu.genres.de/rlistgemuese). Die schlechte Nachricht kann uns Lisa allerdings nicht ersparen: 75% dieser alten Gemüsesorten sind verschollen und von den noch existierenden steht ein Großteil auf der „Roten Liste der gefährdeten einheimischen Gemüsepflanzen“. Ab Mitte des 20 Jahrhundert wurde die Pflanzenzüchtung immer stärker auf die industrielle Agrarproduktion ausgerichtet. Nicht Vielfalt, sondern Einheitlichkeit, hoher Ertrag und die Eignung für die maschinelle Produktion und Verarbeitung stehen seitdem im Vordergrund. Hybridsorten erfüllen diese Kriterien und werden nicht nur im konventionellen, sondern auch im ökologischen Gemüseanbau standardmäßig eingesetzt. Hybrid-Sorten sind Pflanzen, die aus zwei genetisch unterschiedlichen, aber reinerbigen Elternpflanzen (Inzucht-Stammlinien) gezüchtet werden. Durch den sogenannten Heterosiseffekt sind die Tochterpflanzen (oft mit „F1“ gekennzeichnet) den Elternpflanzen deutlich in Wüchsigkeit und Ertrag überlegen. Allerdings lassen sich Hybridsorten nicht weitervermehren, sie sind nicht samenfest. Schon in der nächsten Generation spalten sich die äußerlich einheitlichen Kulturen wieder in eine Vielzahl unterschiedlicher Pflanzenformen auf. Landwirte und Gärtner sind dadurch gezwungen, immer wieder neues Hybrid-Saatgut zu kaufen, statt selbst Saatgut zu vermehren. Hinzu kommt, dass das meiste Hybrid-Saatgut von wenigen großen, weltweit agierenden Agrarkonzernen vertrieben wird.

Jetzt schauen die Workshopteilnehmer etwas deprimiert, aber Lisa berichtet schnell von hoffnungsvollen Gegenbewegungen: Kultursaat e.V. züchtet neue samenfeste Gemüsesorten die auch für größere Betriebe geeignet sind und vor allem viel Wert auf einen guten Geschmack legen. Die Bingenheimer Saatgut AG, Reinsaat und Sativa verkaufen ausschließlich neue und bewährte samenfeste Sorten. Und der VERN e.V. setzt sich für den Erhalt alter, samenfester Nutzpflanzen ein und vernetzt Betriebe und Privatpersonen, die alte Sorten anbauen und vermehren. Auch die solidarische Landwirtschaft deinHof baut auf ihren Flächen in Radebeul ausschließlich samenfeste Gemüsesorten an beteiligt sich an Versuchen zum Anbau alter Sorten und zur Entwicklung neuer samenfester Sorten. Dass sich dieser Aufwand unbedingt lohnt, wird jedem Workshopteilnehmer spätestens bei der abschließenden Verkostung der von Lisa mitgebrachten Möhren und Beten klar. Diese Geschmacksvielfalt! Wie Weinkenner stehen wir da und riechen, malmen, schmecken, schlucken, suchen nach Worten, um das Gefühl am Gaumen zu beschreiben. Angefüllt mit neuem Wissen, vielfältigen Sinneseindrücken und einem Exemplar unserer jeweiligen Lieblingsmöhre oder bete begeben wir uns nach zwei bereichernden Stunden auf den Weg nach Hause. Im nächsten Jahr wird dann ganz sicher so manche alte oder neue Sorte in unseren Gärten und auf unseren Balkonen einen Platz finden.

Anja Wünsch

24 Sep

Gelb, lila, braun, rot, orange, kariert: Alles Tomaten!

Am Freitag zeigte Birgit Kempe uns rund 100 Tomatensorten auf einer acht Meter langen Tafel. Gelb, lila, braun, rot, orange, kariert, geflammt und gestreift leuchten die Früchte.

Beim Workshop „Rund und Bunt – Vielfalt der Tomaten“ gab sie uns wertvolle Tipps für die eigene Anpflanzung.

Als Kind konnte Frau Kempe die typische Supermarkttomate im Geschmackstest nicht überzeugen.

Deshalb hat sie damit angefangen die Früchtchen selber anzubauen. Für die Expertin schmecken die Tomatenfrüchte aus eigenem Anbau sehr viel aromatischer. Die Gärterin versucht auch, die verschiedenen Tomatengattungen zu erhalten.

Behandelt wurde das Aussäen, Pflanzen und Pflegen von Stab-, Spalier-, Busch und Ampeltomate. Dabei war der Vortrag von Frau Kempe alles andere als trocken. Erfrischend und spritzig vermittelte sie ihr Wissen mit vielen praktischen Beispielen. Dazu servierte sie die ein oder andere Anekdote.

Das Thema Krankheiten und Schädlinge an Tomatenpflanzen nahm Frau Kempe sehr ernst. Sie appelierte daran Hygiene im Garten einzuhalten, damit sich Pilzbefall nicht verbreitet.

Ich habe bereits jetzt große Erwartungen an das Tomatenjahr 2020. Dank der Tipps und Tricks der Tomaten Expertin mit Leib und Seele wird sich unser Ertrag mit Sicherheit verdreifachen.

18 Aug

Einladung: Kinoabend und Sommerfest

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

12 Jul

„Das Kneten hat besonders viel Spaß gemacht“ – der Fermentations-Workshop

von Mona

Am Samstag, habe ich einen Fermentationskurs im Wurzelwerk besucht. Fermentieren klang für mich nach Alkohol, Gären, Bier und altertümlichem Haltbarmachen. Von der Referentin Lisa (Zentrum für Fermentation Leipzig) habe ich gelernt, dass Fermentation in unserem Lebensmittelalltag bis heute ein ganz normaler Vorgang ist, um Lebensmittel reifen oder gar erst entstehen zu lassen – und manche auch haltbar zu machen.

Die Fermentation beschränkt sich also nicht nur auf die Herstellung von Sauerkraut oder Bier, sondern beschreibt ganz allgemein eine Umwandlung von Stoffen durch Bakterien, Pilze oder Enzyme. Dabei entstehen im Endprodukt oder während des Prozesses Gase, Alkohol und Säuren, letztere insbesondere sorgen dafür, dass Lebensmittel haltbar werden. In vielen Fällen befinden sich die benötigten Mikroorganismen schon auf der Oberfläche des Lebensmittels.

Lisa hat uns im praktischen Teil gezeigt wie man Kimchi, Chilisoße und Limo herstellt und vorab einen experimentierfreudigen und inspirierenden Einblick in die Theorie der Fermentation gegeben.

Beim troubleshooting war ich besonders beeindruckt von der Kahmhefe, die ensteht wenn du nicht hygienisch gearbeitet hast, das Gemüse nicht luftdicht unter Wasser war oder die Umgebungstemperatur so hoch (über 30°C), dass die erwünschten Milchsäurebakterien nicht optimal arbeiten können, schädliche Bakterien aber umso besser.

Das Kneten des Gemüses hat mir besonders viel Freunde bereitet.
Jetzt nur noch abwarten und die Mikroorganismen für uns arbeiten lassen.

23 Jun

Rosen vor der Tonne retten

Zur Offenen Gartenzeit bekamen wir besuch von ca. 30 bewurzelten Rosensträuchern, die leider nur groß gezogen wurden, um anschließend in der Mülltonne der Verbrennung zugeführt zu werden. Traurige Überflussgesellschaft.

Aber nicht mit uns 🙂 Kurzerhand wurde eine Rosenstand improvisiert und bis zum nächsten Morgen hatten alle Rosen tatsächlich einen neuen Platz in der Nachbarschaft gefunden.

 

02 Jun

Essbares Stadtgrün im Workshop

Am Samstag fand ein kulinarischer Workshop im Wurzelwerk statt:

Irina Krupper von der Wildnis-Herberge zeigte uns, welche Wildpflanzen im und um den Garten herum essbar sind.

Dabei erklärte sie nicht nur, wie man aus Eicheln Bolognese machen kann, sondern auch, wie man Rouladen mit Hopfenblättern einwickelt und Robinienblüten im Teigmantel bäckt.

Und da wir Goldrute im Übermaß im Garten haben, von der wenige wissen, dass man ziemlich harntreibenden Tee damit aufbrühen kann, aber noch weniger, dass man sie auch essen kann, bereiteten wir gleichmal lecker zu.

Dazu gab es Lindenblätter-Salat, Quiche sowie Blätterteig-Sticks mit Kräutern, Brennnessel-Kartoffel-Suppe und andere Leckereien, sodass alle satt wurden.

Vielen Dank für die interessante Führung und die leckeren Rezepte an Irina!

20 Mai

Festival-Stimmung im Wurzelwerk

Am Sonntag war das Wurzelwerk kurz Gastgeber für mehrere hundert Besucher*innen.

Im Rahmen des jährlich stattfinden Kleingartenwandertags wurde dieses Jahr auch für eine ein Gemeinschaftsgarten angesteuert.

Kleingärtner*innen, Nachbar*innen und Vertreter*innen der Dresdner, sowie der sächsischen Verwaltung besuchten das Wurzelwerk für eine dreiviertel Stunde, um zu erfahren, was diese Form des Gärtners zu bieten hat.

Wir servierten regionales Essen und Getränke, zeigten die Pedalofaktur, an der die Besucher*innen auch Smoothies mixen konnten, sowie unsere Ausstellung zum Wert von Ökosystemen in der Stadt und beantworteten viele verschiedene Fragen.

Die meisten Fragen drehten sich darum, wie wir denn mit all dem Unkraut im Wurzelwerk klar kämen. Die Antwort, dass wir es mit voller Absicht überall da stehen lassen, wo wir den Platz nicht selber brauchen, weil dadurch Lebensraum für Insekten und andere Kleintiere, Mulchmaterial für unsere Beete und außerdem leckeres Essen von ganz alleine wächst, kam bei allen verblüffend gut an.

Was wir nicht verrieten, war, dass diese Unkräuter in Wirklichkeit unsere Klimaanlage im Garten sind. So wie die Sonne an diesem Vormittag brannte, hätten sonst eine Menge Pflanzen eine Menge mehr Wasser gebraucht und wer weiß, wie es uns ergangen wäre 🙂

Wir freuen uns, dass wir eine Station auf der Wanderroute sein durften und damit Austausch zwischen den verschiedenen Gartenformen schaffen konnten.

16 Apr

Unser Kompost ist fertig

Im Oktober haben wir in einem Kompost-Workshop eine sogenannte Heißrotte aufgesetzt:
Einen Würfel mit ungefähr einem Meter Kantenlänge aus verschiedensten zerkleinerten Garten- und Küchenabfällen, etwas Erde, Gesteinsmehl, guten Bakterienkulturen und Wasser.  In den ersten drei Tagen hat er sich selbst durch bakterielle Aktivität auf ungefähr 70°C hochgeheizt, dann wieder abgekühlt und in den folgenden Wochen hat er sich gesetzt, sodass er am Ende nur noch ungefähr ein Drittel so hoch war.

Am letzten Donnerstag haben wir ihn mit einer Seminargruppe im Wurzelwerk begutachtet und beschlossen, dass er fertig ist: Oben auf war noch eine dünne unverrottete Schicht. Die haben wir abgenommen und in den Sammelkompost daneben gegeben.
Und darunter kam super Komposterde zum Vorschein. Die fleißigen Teilnehmer*innen haben ihn noch ausgesiebt und heraus kam feinste Komposterde:

Vielen Dank an alle, die Küchenabfälle mitgebracht haben, alle die geholfen haben, ihn aufzusetzen und natürlich all den Millionen von Kleinstlebewesen, die das alles aufgegessen und wieder ausgeschieden und dadurch in nur sechs Monaten wunderbaren Krümelhumus daraus gemacht haben!

28 Mrz

Saisoneröffnung

Die neue Gartensaison 2019 wirft ihre Sonne voraus.

So langsam wird es wieder lebendiger im Reich der Tiere, Pflanzen und Menschen.

Wir wollen die neue Saison erst feierlich und dann planerisch eröffnen und laden euch ein:

 

 

 

Eröffnungsfeier am Sa, 6. April ab 15 Uhr
* Gartenführung * Live-Musik * Tauschbörse für Saatgut und Jungpflanzen
* Jonglage für Kinder * Lagerfeuer, Suppe, Stockbrot
Wir haben eine Überdachung, wir feiern also bei jedem Wetter!

 

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Planungswerkstatt am Sa, 13. April, 11-15 Uhr
* gemeinsame Saisonplanung * GärtnerInnen kennenlernen
* neue Ideen einbringen * Projekte vorstellen * Wissen austauschen
Gemeinsames Mittagessen! Wir machen Suppe, ihr könnt gerne das Buffet bereichern.

 

07 Feb

Exkursionsbericht

Am Samstag gab es einen gemeinsamen Ausflug nach Radebeul zu den Ackerflächen von DeinHof. Nach einer kurzen Einführung durch Gärtnerin Lisa ging es dann auch gleich auf den Acker. Mittlerweile bewirtschaftet die Solidarische Landwirtschaft (Sie selbst nennen sich Gemüsecoop.) ein Fläche von 4ha. Über das gesamte Jahr werden davon 150 Ernteanteile mit Gemüse versorgt. Respekt! Inzwischen gibt es verschiedene Abholstationen in Dresden und Radebeul, an denen sich die Mitglieder wöchentlich mit frischem Gemüse versorgen können. Der Rundgang über die Ackerflächen war sehr kurzweilig und es gab immer wieder die Gelegenheit Fragen zu stellen. Im großen Folientunnel konnte das frische Grün von Feldsalat, Postelein und Co. bestaunt werden, die nur geringe Plusgrade benötigen, um munter vor sich hinzuwachsen. Auf besonderen Wunsch der Gartengruppe nahm sich Lisa im Anschluss an die Führung noch Zeit, um uns in die Geheimnisse der Winterlagerung von DeinHof einzuführen. In einem unbeheizten und ungekühlten Lagerraum im Betriebsgebäude lagert ein Großteil der Herbsternte, zumeist in großen Holzboxen, die mit Sand gefüllt sind. Zum ersten Mal wird in diesem Jahr das Prinzip der Erdmiete ausprobiert. Dazu wurde ein tiefer Graben ausgehoben und mit Holz an den Rändern stabilisiert. Die eingelagerten Kartoffeln und Möhren wurden dann noch mit Stroh und atmungsaktivem Kompostflies „verpackt“, um den Winter draußen zu verbringen. Spannenderweise sind es nämlich die (stromfreien) Lagerungskapazitäten, die ein mögliches Wachstum der Ernteanteile begrenzt. Die Ernteanteile für die Gartensaison sind übrigens alle vergeben. Wer mittelfristig dabei sein möchte, kann sich aber in eine Warteliste eintragen.