Am Sonnabend fand unser Workshop rund um das Thema Solaranlagen-Selbstbau statt.
Marcus Heeg, Diplom-Ingenieur für Regenerative Energiesysteme, und begeisterter Selbst-Bastler, kam ins Wurzelwerk, um mit uns eine kleine Photovoltaik-Anlage aus gebrauchten Teilen zusammenzubauen.

 

Eigentlich hatten wir ihn eingeladen, um eine Micro-Windkraftanlage mit uns zu bauen, weil er damit ebenfalls schon Erfahrung hat. Nachdem er uns aber erklärt hatte, dass wir in Dresden in einem besonders schwachen Windgebiet leben, entschieden wir uns dann doch für Photovoltaik.

 

Im Workshop starteten wir mit einer Einführung in die Grundlagen der Elektrotechnik. Den meisten von uns wurde an der Stelle (mal wieder) klar, dass Strom uns überall umgibt – aber wir ihn so gut wie nicht verstehen. Alle hatten viele Fragen dazu, wie man beim Selbstbasteln Kabel richtig anschließt (stabile Verbindungen, + oder – zuerst, Schutzleiter etc.) wofür die verschiedenen Kenngrößen (Spannung, Stromstärke, Widerstand, Leistung etc.) stehen und was die Unterschiede zwischen den verschiedenen Stromarten sind (12V, 24V, 230V, Gleich- und Wechselstrom etc.).

 

Danach erklärte Marcus uns (fast) alles über Akkus: Welche verschiedenen Typen von Akkus es gibt, welche davon umweltschädlich sind (Lithium-Ionen, Blei-Säure, Cadmium usw.) und welche nicht so (Nickel-Eisen, Salzwasser u.a.) und wie man sie so nutzt, dass sie möglichst lange halten (richtiges Laden, nur teilweises Entladen etc.).

 

Mit diesem Vorwissen sprachen wir darüber, wie man das richtige Solarmodul und die richtigen Akkus für die jeweiligen Geräte findet, die man betreiben möchte und unter welchen Voraussetzungen Speicherung sinnvoll sein kann und wann man eher darüber nachdenken sollte, überschüssigen Strom ins Netz einzuspeisen.

 

Nachdem wir das Anschließen von Kabeln (Abisolieren, Löten, Crimpen usw.) ausprobieren konnten und gefühlt ein Dutzend verschiedene Crimpzangen kennengelernt hatten, konnten wir Marcus noch darüber ausfragen, welche rechtlichen Aspekte man bei der Netzeinspeisung beachten muss und welche technischen Voraussetzungen man dafür braucht. Dabei erklärte Marcus uns auch, warum es Steuerbetrug wäre, dabei nicht den richtigen Zähler zu verwenden (Strom aus der Steckdose ist offenbar offiziell mehr wert, als selbsterzeugter).

 

Dann bauten wir unsere Anlage zusammen: Ein 150-Watt-Solarmodul, ein Solarladeregler, ein Akku und zunächst eine Lampe zum Ausprobieren. Anhand der Anzeige eines angeschlossenen Multimeters konnten wir die Intensität des fließenden Stroms sehen. So konnten wir ausprobieren, was passiert, wenn Teile des Moduls verschattet werden: Der Stromfluss nimmt überproportional ab, weshalb es so wichtig ist, dass Solarmodule immer komplett schattenfrei und sauber sind. Als Erweiterung schlossen wir noch einen Spannungswandler und einen Heißluftföhn an, um auch hier den Stromfluss zu untersuchen.

 

Zu guter Letzt zeigte Marcus uns noch, wie man die Einspeisung ins Netz schaltet und erklärte uns, wie man die Qualität gebrauchter Solarmodule und Akkus erkennen kann, warum man für empfindliche Elektronik auf jeden Fall Spannungswandler mit sogenanntem „reinen (nicht modifizierten) Sinus“ braucht und alles andere, was wir wissen wollten. Bei all dem ging Marcus immer sowohl darauf ein, wie Dinge laut Lehrbuch aus neuen Teilen gebaut werden, als auch darauf, wie man sie aus gebrauchten Teilen selbst basteln kann – und mit welchen Kosten man jeweils rechnen kann.

 

Bevor wir alles wieder vergessen haben, wollen wir jetzt die Anlage – um ein weiteres Modul auf 300W ergänzt – auf die neue Workshopküche, das Koko, bauen, sodass sie dort die Kühlschränke mit selbsterzeugtem Strom betreiben kann.

 

Vielen Dank an Marcus für die vielen guten Antworten, Schaubilder, Handouts und Erklärungen!
Wir empfehlen hiermit unbedingt, ihn für Seminare zu buchen 😉

Und für alle, die sich zum Selberbasteln selbst weiter belesen möchten, empfehlen wir das Einfälle-statt-Abfälle-Heft „Solarstrom in 12-Volt-Anlagen“ von Michael Daniek.